#023 Zwischen Tradition und Klimawandel: Die Welt der Ama

Shownotes

Wie lange könntest du mit nur einem Atemzug unter Wasser arbeiten? Die Ama sind traditionelle japanische Freitaucherinnen, die ohne Sauerstoffflasche nach Abalonen, Seeigeln und anderen Meerestieren suchen.

Konstanze erzählt, warum die „Frauen des Meeres“ gemeinsam tauchen, welches Wissen sie über Küsten und Strömungen besitzen und weshalb ihr Beruf weit mehr verlangt als langes Luftanhalten. Es geht um eine außergewöhnliche Form der Erwerbsarbeit, ihre kulturelle Bedeutung und die Gefahren unter Wasser.

Doch die jahrhundertealte Tradition steht unter Druck: Viele Ama sind bereits älter, während Nachwuchs fehlt. Zugleich verändern steigende Wassertemperaturen, schwindende Algen- und Seegrasbestände sowie zurückgehende Abalone-Vorkommen ihren Arbeitsplatz. Einige Gemeinschaften verbinden das Sammeln deshalb zunehmend mit Maßnahmen zum Schutz der Bestände.

Eine Episode über harte Arbeit, überliefertes Wissen und die Frage, wie eine lebendige Tradition weiterbestehen kann, wenn sich das Meer verändert.

In dieser Folge erfährst du:

  • wie die Ama ohne Atemgerät arbeiten
  • warum sie in Gemeinschaft tauchen
  • was Abalonen beziehungsweise Seeohren sind
  • welche Gefahren und Belastungen der Beruf mit sich bringt
  • warum immer weniger Frauen Ama werden
  • wie Klimawandel und ökologische Veränderungen ihre Arbeit beeinflussen
  • weshalb die Taucherinnen auch zum Schutz des Meeres beitragen

Transparenzhinweis: Tauchpraxis, Kleidung, Fangregeln und ökologische Bedingungen unterscheiden sich je nach Region. Konkrete Zahlen sind daher als regionale oder zeitgebundene Angaben einzuordnen.

Transkript anzeigen

00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge, die zweite Folge der zweiten Staffel.

00:00:22: Erklären wir die Welthase mit Lukas Marian Weil!

00:00:26: Das bin ich.

00:00:27: Hallo Lukas, herzlich willkommen.

00:00:29: Wie geht's dir?

00:00:30: Gut, aufregend.

00:00:31: Mensch zweite Staffel, das klingt so wahnsinnig ... Ja ich weiß auch nicht wie sind wir da hingekommen?

00:00:37: Zwei Staffeln schon also fangen mit der zweiten an.

00:00:39: ja man weiß es noch nicht genau wie's wird.

00:00:41: bei Friends war die zweite Staffelt glaube ich besser als die erste Staffel.

00:00:44: Bei den Simpsons ist es auch so.

00:00:46: Die ersten fünf staffeln waren glaub ich immer wurden immer immer besser und dann hat sie irgendwann gekippt.

00:00:51: Aber generell zweites Staffel ist eigentlich immer so ein Qualitätsmerkmal.

00:00:54: Glaub ich auch, da kann man sich auch noch mal erst einmal so einen Neustart... Man nimmt sich neue Ziele vor die man natürlich überhaupt gar nicht einhält.

00:01:01: aber es bringt einen neuen Drive frischen Wind rein und den spürt bei dir Lukas?

00:01:06: Ja ich verspüre ihn auch bei dir!

00:01:08: Es liegt vielleicht daran dass wir uns gut erholt haben in der Sommerpause.

00:01:12: Ich bin vor allem sehr gespannt drauf was du mir heute mitgebracht hast welche Geschichte denn wie jede Woche auch Erzählen wir uns in diesem Podcast von einem Faszinosum, das wir haben.

00:01:22: Das sind bei dir sehr viele Faszinosen ... Was ich so mitbekomme?

00:01:26: Fascinosi.

00:01:28: Und da bin ich immer ganz gespannt, weil bei dir weiß ich nie was kommt.

00:01:31: Sei es der Blob, sei es der Ignaubellpreis oder ... Ich weiß auch nicht, irgendeine faszinierende Persönlichkeit, irgendjemand, der gerade wieder ein Leuchtturm retten muss.

00:01:40: Es ist eine Schachtel Pralinen wie ... Ist

00:01:42: ne Wundertüte!

00:01:43: Ja.

00:01:44: Eine Wundertüte, die kriegst du bei mir?

00:01:46: Bevor ich mit meinem heutigen Thema starte, dich an die Hand nehme und dich vielleicht auch in den Abgrund ziehe, wissen wir noch nicht, möchte ich eine Empfehlung aussprechen.

00:01:55: Ich habe nämlich in unserer Sommerpause einen Podcast gehört beziehungsweise ein Special eines Podcasts des Podcasts Okay America von der Zeit mit Rike Harwitz und Klaus Brinkbäumer.

00:02:10: Von dem Podcast gibt es schon glaube ich zweihundert Episoden oder so.

00:02:12: aber Anlässlich des fünfundzwanzigsten Jubiläums von Nine Eleven, ein fünfteiliges Podcast Special zu diesem Thema gemacht.

00:02:25: Und ich habe mir diese fünf Episoden reingefahren an einem Tag.

00:02:30: Es hat mich begeistert, also emotional berührt... Aber auch wie sie das in der Tiefe noch mal erzählt haben, begeistert.

00:02:38: Also ist es wirklich ein ganz tolles Special.

00:02:42: dazu möchte ich jeden Einladen das zu hören.

00:02:44: hast du ihn schon gehört?

00:02:45: Nein, ich habe ihn nur nicht gehört!

00:02:46: Ich hab andere Podcasts gehört zum Thema Nine Eleven weil ich bald so wie Du in die USA reisen werde und mich innerlich vorbereitet habe.

00:02:55: Habe ich mir einen Podcast angehört.

00:02:57: den könnte ich auch nochmal verlinken.

00:02:59: Da geht es um die Langzeitfolgen von nine eleven.

00:03:01: Also nicht das Ereignis selbst, sondern es geht darum wie's den Helfern und den Angehörigen heute geht Jahrzehnte später ja zwanzfünfundzwanzig Jahre später Und welche gesundheitlichen Probleme die immer noch plagen auch nicht besonders erbaulich aber Es ist trotzdem fand ich eine sehr sehr hören.

00:03:17: zweiter podcast wenn du Bei dem crown zero sein wirst in der museum der gedenkstätte wirst Du auch darüber informiert werden wenn du in den verschiedenen stationen dir Informationen dazu anguckst.

00:03:31: Ich kann das sowieso nur empfehlen in New York, wenn man in New-York ist es geht ja auch gar nicht anders.

00:03:35: Man muss sich das anschauen und das wirst du auch ganz bestimmt.

00:03:38: Das werde ich.

00:03:39: Ich möchte gerne jetzt zu unserem Thema heute kommen und dafür würde ich gerne von dir wissen wie lange kannst du die Luft anhalten?

00:03:47: Ich bin so mittelfältig.

00:03:49: Es gibt jetzt Leute, die können wirklich gefühlt stundenlang unter Wasser bleiben.

00:03:52: mit meiner Tochter habe ich das geübt.

00:03:54: Die hat so zwei, drei Sekunden geschafft.

00:03:56: Das vergisst man aber als Kind ist unter Wasser zu hauchen ja wirklich unangenehm die Luft anhalten.

00:04:03: Also brauchen erst mal eine Weile bis ihr das gut hinbekommt und bei mir sind es ich würde mal schätzen vielleicht fünfzehn-zwanzig Sekunden?

00:04:10: Vielleicht würdest du auch wenn du das übst jetzt hier gemütlich auf dem Sofa dann ein bisschen länger das sogar schaffen vielleicht ne Minute vielleicht sogar etwas länger.

00:04:20: Ich mache manchmal So eine Atemübung, so Atemtechnik.

00:04:25: Wo man so angeleitet

00:04:27: ... Von Andrew Huberman?

00:04:28: Nee

00:04:29: von Wim Hof.

00:04:30: Die

00:04:30: klassische Wim Hoffatmung.

00:04:32: Ja.

00:04:32: Ich dachte vielleicht hat Andrew Humbermann auch sowas.

00:04:34: Weil er hat ja alles andere.

00:04:37: Über Andrew Hüberman werde ich ne Episode machen jetzt wo sein Buch raus ist.

00:04:40: Da bin ich sehr gespannt und ich bin gespannt ob ich irgendwas erfahren kann was du mir noch nicht über ihn erzählt hast.

00:04:45: Ja wird sich rausstellen aber genau so heute eben ob wir etwas anderes gehen.

00:04:49: also wenn du hier sitzt gemütlich auf dem Sofa und das ein bisschen übst, dann würdest du vielleicht sogar mehrere Minuten hinbekommen.

00:04:57: Aber stell dir mal vor, du müsstest es im kalten Pazifik machen!

00:05:03: Du würdest dich in die Tiefe begeben um unter Wasser nach Nahrum zu suchen?

00:05:07: Du müsstest dich an Phasen orientieren und dabei darauf achten dass die Strömung.

00:05:15: Das Wasser ist vielleicht trüb, du siehst nicht wirklich.

00:05:18: Kann sich ganz schwierig orientieren und vielleicht knifft ein Fisch dich in den Po?

00:05:22: Kannst du dir das vorstellen?

00:05:24: Ungern!

00:05:26: Aber genau das ist die Lebens- und Arbeitsrealität der ama in Japan.

00:05:33: Sind das Menschen?

00:05:34: Ja es sind mehr Frauen so wird dieses Wort häufig übersetzt und es bezeichnet traditionelle japanische Freitaucherinnen.

00:05:45: Sie tauchen ohne Sauerstoffflasche und sammeln dabei hauptsächlich Abalonen.

00:05:51: Übersetzt heißt es Seeohren, das sind so muschelartige Meeresschnecken.

00:05:55: Sammeln aber auch Seeiegel und andere Meerestiere.

00:06:01: Für mich ist das ein fast unvorstellbarer Beruf weil ähnlich wie dein Tochter von der du gerade gesprochen hast für Ganz schwierig.

00:06:10: Ich kann da auch gar nicht lange unter Wasser bleiben, weil da ja auch so viele Reize dann auf einen einwirken und ich finde das wirklich unvorstellbar wie das ist.

00:06:21: Und für die ist es aber einfach deren Arbeitsrealität.

00:06:24: Die fahren aus mehr hinaus als wir ins Büro

00:06:28: gehen.".

00:06:29: Und diese Tätigkeit ist deswegen einfach Ihre Einkommensquelle, aber sie verschafft Ihnen auch Unabhängigkeit.

00:06:35: Es ist ein elementarer Bestandteil Ihrer Lebensgeschichte und Ihrer Kultur.

00:06:41: Dabei stehen Sie vor gerade aktuell durch die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte großen Herausforderungen gegenüber nämlich dem Klimawandel und auch den Umständen geschuldet, dass wenig junge Japanerinnen diesen herausfordernden Beruf ergreifen wollen.

00:07:01: Und deshalb soll es in dieser Folge eben um diese bemerkenswerten Frauen gehen, um ihre besondere Arbeit und eben auch um die Gefahren denen sie ausgesetzt sind und ja diese Entwicklung, die da fortschreitet und was das für einen Einfluss

00:07:17: hat.".

00:07:18: Du meldest dich gerade, möchtest du etwas sagen?

00:07:20: Ja

00:07:20: ich möchte fragen.

00:07:21: Also warum sind das nur Frauen?

00:07:24: Es ist die älteste Art des Fischens sozusagen und da Frauen ein größeres Unterfettgewebe haben, ist es für sie besser zu tauchen.

00:07:34: Sie können also frieren quasi nicht so schnell wie Männer.

00:07:38: Das könnte

00:07:38: sich aber wirklich meine Frage stellen.

00:07:40: Da habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht.

00:07:43: Die größten Frostboulden waren in meiner Welt immer Frauen

00:07:47: Gut, aber in dieser japanischen Kultur ist es nicht so.

00:07:49: Und Männer ... Es ist ja eine traditionelle Art des Fischens und als diese Tradition irgendwann vor sehr vielen Tausend Jahren begonnen hat musste auch Arbeitsteilungen durchgeführt werden.

00:08:00: Und Männer sind stärker und können mit Fischernetzen an Land grösse, diesen Fischfang in größerem Maß betreiben.

00:08:07: Frauen sind veligraner und können zwischen den Felsen besser sich bewegen um die Abalonen im Seegrass wegzufischen.

00:08:17: Die erste Erwähnung der Amar stand aus dem Jahr sevenhundertfünfzig aus dem Manjoshō, der ältesten Gedicht Antologie Japans.

00:08:26: Dort wird beschrieben dass sie mit bloßer Hand und angehaltener Luft durchs Seegrass schwimmen, Seefrüchte und Muscheln aus dem Meer holen und somit die ursprünglichste Art des Fischens entwickelt haben.

00:08:40: Es gibt praktisch keine Hilfsmittel und nach dieser Überlieferung sollen die Frauen damals nicht mal wirklich Kleidung getragen haben.

00:08:49: Die Ammer tauchen also ohne Atemgerät.

00:08:52: Sie nehmen einen tiefen Atemzug, gehen unter Wasser und bleiben dort so lange wie ihre Luft und die Bedingungen es erlauben.

00:09:00: Eine typische Zahl, die in Berichten über Ammer genannt wird ist ungefähr eine Minute pro Tauchgang Aber während einer Arbeitseinheit tauchen sie eben oft mehrfach ab.

00:09:11: In vielen Berichten wird sogar von bis zu hundertmal gesprochen.

00:09:15: Diesen Angaben folgt jetzt keiner festen Regel, die Dauer eines Tauchgangs hängt natürlich von der Person und ihrer Erfahrung, der Wassertemperatur, der Tiefe und der körperlichen Belastung im Wellengang ab.

00:09:31: Die Amma sammeln ihre Ernte, um sie zu verkaufen und damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

00:09:37: Und Sie arbeiten in Gemeinschaften.

00:09:40: Sie gehen normalerweise gemeinsam ins Wasser oder bleiben zumindest im engen Kontakt miteinander natürlich aus mehreren Gründen Denn die Gruppe ist eine Sicherheitsgemeinschaft.

00:09:51: Sie achten aufeinander und helfen sich in schwierigen Situationen, denn das Meer ist nie vollkommen berechenbar.

00:09:58: Ebbe-und Flut verändern die Bedingungen.

00:10:00: Strömung können stärker oder schwächer werden – der Wellengang kann zunehmen.

00:10:06: Die Sichtweite und die Wassertemperatur können ebenfalls schwanken.

00:10:12: Aber Ammer verfügen über sehr spezielles Wissen!

00:10:17: jeden Felsen, die Jahreszeiten mit den entsprechenden Ansprüchen und die Stellen an denen bestimmte Tiere, die für ihre Ernte am lukrativsten sind, vorkommen.

00:10:29: Und dieses Wissen steht in keinem Lehrbuch.

00:10:32: es wird über Jahre beobachtet immer wieder angepasst und ausprobiert und weitergegeben.

00:10:39: Jüngere Taucherinnen lernen von den Erfahrungen der älteren, die das bis ins hohe Alter machen.

00:10:46: Also ich habe mehrere Berichte gesehen und gelesen.

00:10:49: da waren Frauen dabei, die eighty-fünf Jahre alt sind Und es gehört zu ihrer Kultur und zu ihrer Identität.

00:10:58: Beim Ammertauchen geht es nicht nur darum lange die Luft anzuhalten.

00:11:03: Es geht darum zu wissen wann wo und unter welchen Bedingungen sich ein Tauchgang wirklich lohnt und weil man vielleicht auch besser nicht ins Wasser gehen sollte.

00:11:13: Und jetzt zoomen wir mal rein und versuchen, uns mal richtig so einen Arbeitsalltag vorzustellen.

00:11:21: Die Ammer erreichen auf ihren Booten die Küste und bereiten sich vor.

00:11:26: Je nach Region und Zeit tragen sie unterschiedliche Kleidungen und Ausrüstung.

00:11:31: Traditionell allerdings hüllten sie sich in weiße Gewänder.

00:11:36: Die sollten zur Abschreckung von Heindien Glück bringen.

00:11:41: Ein gewaltes Kopftuch wird nach einer traditionellen Weise gewickelt und einige Ammergruppen verziehen eine Art religiöse Rituale, um den Meeresgott um Schutz zu bitten.

00:11:55: Diese weißen Kleidungsstücke haben die Ammer in ganz Japan bekannt gemacht.

00:12:01: sie wurden zu einem sehr starken ikonischen Bild Eine Frau in weiß, streikt ins Meer ohne Atemgerät und taucht in die Tiefe.

00:12:12: Das hat etwas Elegantes und gleichermaßen auch Heroisches wenn man sich das mal so vorstellt.

00:12:20: aber dieses Bild darf nicht darüber hinwegtäuschen dass die Arbeit einfach wirklich körperlich anstrengend ist.

00:12:27: Die Ammer müssen schwimmen sie müssen tauchen Sie müssen suchen und sammeln Und sich unter Wasser orientieren Sie müssen sich die eigene Luft einteilen und dürfen gleichzeitig auch nicht zu lange an einer Stelle bleiben.

00:12:41: Und gleichzeitig wollen sie möglichst viel finden, denn von dieser Ernte hängt ihr Einkommen

00:12:48: ab.".

00:12:59: Ist ein Beruf.

00:13:01: Ja,

00:13:02: ich habe auch einen Bericht gesehen in dem eine junge Städterin aus Japan, Meeresbiologin eine Faszination für diesen Beruf entwickelt hat und sich den angeschlossen hat.

00:13:15: also es ist schon immer ... Ein bisschen abgegrenzte Gruppen, die über Jahrzehnte zusammenarbeiten.

00:13:22: Aber sie sind durchaus offen für das Interesse und Nachwuchs und geben ihr Wissen weiter.

00:13:28: Das ist einfach ein Berufsstand.

00:13:31: Wenn man hundertmal abtaucht, dann klingt es zunächst wie eine einfache Wiederholung.

00:13:38: Man holt Luft, taucht ab!

00:13:40: sammelt, die Abalonen taucht wieder auf und das wiederholt sich.

00:13:45: Aber der Körper muss dieser Belastung immer wieder standhalten, muss sie immer wieder bewältigen.

00:13:52: hinzukommen Kälte und Erschöpfungen.

00:13:55: wenn auch nur ein einzelner Tauchgang ziemlich kurz ist kann die Summe dieser vielen Tauchgänge den Körper stark beanspruchen.

00:14:04: Der Wellengang erschwert diese Arbeit zusätzlich.

00:14:08: Die Ammer müssen sich an der Oberfläche orientieren, während sie gleichzeitig mit den Bewegungen des Wassers zurechtkommen müssen.

00:14:15: und oft sind es zierliche Frauen die da diesen Naturgewalten trotzen müssen.

00:14:22: Und natürlich dringen die Ammer damit auch in den Lebensraum von diesen Meeresbewohnern ein, die das unter Umständen Nicht so begrüßenswert finden.

00:14:32: Also sind auch Fische unter Umständen eine Gefahr, mit der sie rechnen müssen.

00:14:38: Können die sich wehren?

00:14:39: Haben die irgendwelche Waffen dabei oder ... Nee.

00:14:41: Früher

00:14:41: hatten sie fast gar nichts und manche haben wie ein kleines filigranes Werkzeug.

00:14:46: aber dieses Seegraß in dem sich die Abalonen befinden das ist auch empfindlich.

00:14:51: also damit irgendwie groben Werkzeugen vorzugehen wäre fast auch schädlich.

00:14:56: Was sind denn Abalon genau?

00:14:58: Diese Meeresschnecken

00:14:59: Meeresschnecken.

00:15:00: Sie sammeln gar keine Fischen, sondern Schnecken?

00:15:02: Ja genau, so muschelähnliche Schnecken.

00:15:07: Viele Amma haben durch diese jahrelange körperliche Arbeit Krankheiten entwickelt oder körperlichen Einschränkungen in anderer Art und nicht selten stehen die unter starken Schmerzenmittel und nehmen regelmäßig Schmerzmittel um diesen Folgen entgegenzuwirken.

00:15:27: Also die Gefahr entsteht nicht durch ein einzelnes, irgendwie spektakuläres Ereignis.

00:15:33: Die entsteht eben durch diese vielen kleinen Belastungen – durch die Kälte, durch die Wellen, durch scharfe Felsen, Durch schlechte Sicht, durch Erschöpfung und der Notwendigkeit immer wieder die Leistungsgrenze einschätzen zu können.

00:15:48: Und deshalb ist die Arbeit in der Gruppe eben auch so wichtig.

00:15:52: Also es sind die Kolleginnen eben dieses Sicherheitsnetz und auch einen Kollektiv, in dem man sich austauscht.

00:16:01: Seit den Sechzigern hat sich das Arbeitsequipment gewandelt.

00:16:06: also heute nutzen sie durchaus Neoprenanzüge Taucherbrillen und Flossen- und Gewichtsgote um besser unter Wasser bleiben zu können oder gegen diesen Auftrieb besser ankämpfen zu können.

00:16:20: Ich habe da ganz viele unterschiedliche Berichte gesehen.

00:16:22: In einem Bericht erzählte eine Frau aber auch, dass sie es eigentlich vorzieht unter Wasser zu sein weil sie dieses Gefühl der Schwere des Körpers an Land mittlerweile ja fast gar nicht mehr erträgt.

00:16:35: also dieser Beruf hat sich ganz elementar mit der Identität dieser Frauen verwoben und das finde ich wirklich sehr bemerkenswert.

00:16:47: Das sind wirklich echte Mehrfrauen.

00:16:49: Ja, es sind wirklich ...

00:16:49: Durch und durch.

00:16:50: Echte mehr Frauen!

00:16:52: Und besonders diese weißen Gewänder, die früher traditionell getragen wurden haben sie einmal in ganz Japan berühmt gemacht.

00:16:59: Sie wirken auf Fotografien und in Reiseberichten fast eine Verbindung aus Mensch und Meer.

00:17:07: Die weiße Kleidung das dunkle Wasser und dieser kurze Moment an der Oberfläche wo sie auftauchen und dann wieder untertauchen, also in den Wellen verschwinden.

00:17:18: Das ergibt ein faszinierendes Bild das sich eben auch gut auf Postkarten macht.

00:17:23: aber es hat eine Kehrseite denn wenn ein Beruf stark über so ein ikonisches Bild wahrgenommen wird kann leicht vergessen werden wie viel Arbeit dahinter steckt.

00:17:34: Die Ammer wurden dann zu einer romantischen Figur, eben zur Mehrfrau.

00:17:41: Während die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen da in den Hintergrund treten.

00:17:47: Also dieser Beruf ist zugleich Kultur- und Kulturgut aber auch Existenzgrundlage.

00:17:55: Es gibt Bilder von denen sehe ich gerade aus den Sechzigerjahren wo die oben ohne reinhüpfen ins Wasser mit einer kleinen Badehose Also es hat ja auch so ein bisschen, weiß ich nicht ... für manche erotische Komponente wahrscheinlich gehabt.

00:18:08: So nach dem Motto die mehr Frauen da wie...

00:18:12: Ich glaube in der japanischen Kultur nicht!

00:18:13: Ich glaube das ist wirklich große Ansehend für diesen Berufsstand und diese Arbeit, die diese Frauen da verrichten.

00:18:22: Also ich konnte sowas jetzt in meiner Recherche gar nicht wahrnehmen dass das diese Verknüpfung hatte.

00:18:27: Das

00:18:28: ist eher unsere heutige Sicht darauf ausm Westen?

00:18:31: Ja also deine jetzt

00:18:32: gerade.

00:18:33: Hey, ich wollte dich fragen.

00:18:35: Sag mal, glaubst du die gehen mit rein?

00:18:36: Sechszig in Rente?

00:18:39: Nee,

00:18:39: Friedrich Merz der würde sagen gut so weiter.

00:18:42: aber die arbeiten teilweise also bis ein bisschen zu alter bis fünf und achtzig akkern die durch.

00:18:47: Aber der Job das ist doch so ein Job wo man sagen würde wieder Dachdecker Die sollten doch ein bisschen früher schon aufhören damit oder

00:18:54: ja?

00:18:55: aber wie schon gesagt für die ist es auch Mit ihrer Identität verworben.

00:18:59: Man unterschätzt glaube ich auch dieses diesen kollektiven Halt, den die sich über Jahre erschaffen haben.

00:19:06: Der da eben so elementar ist.

00:19:09: aber leider droht dieser Beruf auszustärben denn in ländlichen Küstenregionen wandern junge Menschen häufig in größere Städte ab und die Geburtenraten in Japan sinken.

00:19:21: viele kleinere Gemeinden werden älter.

00:19:24: Zudem ist der Ammerberuf, wie ich das dir geschildert habe körperlich fordernd und wirtschaftlich nicht unbedingt sicher.

00:19:32: Denn die Einnahmen hängen davon ab was im Meer vorhanden ist und wie das Wetter ist und ob die Bestände reichen.

00:19:38: Und die Bestende nehmen ab durch – natürlich!

00:19:43: Wie kann es anders sein?

00:19:44: Den Klimawandel.

00:19:46: Die Wassertemperatur steigt und das Seegraß geht in manchen Regionen zurück Und wenn Segraswiesen verschwinden, verändert sich der Lebensraum vieler Meerestiere.

00:19:57: Auch die Abalonen sind auf geeignete Lebensbedingungen angewiesen und wenn sich die Temperatur, die Nahrung, die Wasserqualität und die Lebensräume verändern gehen die Bestände zurück.

00:20:10: Die traditionelle Praxis der Amma selbst spiegelt aber eine Philosophie der Demut und des Respekts der Natur gegenüber wieder.

00:20:21: Sie ernten nur ausgewachsene Tiere und werfen zu kleine Exemplare zurück ins Wasser.

00:20:27: Sie setzen auch gezielt Jungtiere aus, um die Bestände zu erhalten oder sogar aufzustocken.

00:20:34: Ihre Fangmethode ist sehr selektiv und verursacht kaum Beifang- oder Zerstörung des Meeresbodens im Gegensatz zu industriellen Fangmethoden.

00:20:44: Durch die zunehmenden Herausforderungen sind aber auch zu ökologischen Beobachterinnen und fast zu AktivistInnen geworden.

00:20:55: Sie verbringen ihr Leben im und mit dem Meer, und bemerken deshalb ökologique Veränderungen oft viel früher als andere.

00:21:05: Ihre Beobuchtung liefern somit wertvolle Daten für die Wissenschaft und den Naturschutz.

00:21:12: Heute verdienen viele Ammer ihr Geld nicht primär nur durch den Fang, sondern auch durch den Tourismus und durch Bildungsarbeit die sie immer weiter voranbringen.

00:21:26: Sie führen Besucherinnen in die Tradition ein und vermitteln dabei Wissen über den nachhaltigen Umgang mit dem Meer.

00:21:36: Mich faszinieren mehreren Ebenen.

00:21:40: Da ist natürlich diese körperliche Leistungskomponente, die total beeindruckend ist und für mich wirklich kaum nachverziehbar wie man da und wieder auch bis ins hohe Alter das so durchziehen kann.

00:21:52: Und vor allem auch dieses große Wissen und die Fähigkeiten, die sie durch diese Arbeit erlernt haben sind für mich phänomenal besonders wenn man betrachtet dass sich in dieses unberechenbare Gebiete begeben und ihr Leben im Einklang mit dem Wasser gestalten.

00:22:11: In der jedem Tauchgang steht damit auch Gemeinschaft, eine lange Geschichte Ökosystem.

00:22:20: Und genau deshalb erzählt die Geschichte der Amma nicht nur die von besonderen Taucherinnen, sie erzielt davon wie engen Kultur-, Arbeit- und Natur miteinander verbunden sein können und wie sichtbar die Veränderungen werden wenn eine dieser Komponenten ins Wanken gerät.

00:22:40: Deshalb hat mich das in seinen Bann gezogen und ich bin froh dass ich die davon erzählen konnte.

00:22:47: Ja und ich finde es sehr spannend, weil ich von denen wirklich noch nie gehört habe.

00:22:50: Und wirklich gar keine Ahnung davon hatte was die machen und was das ist.

00:22:54: Und je länger du mir jetzt davon erzählt hast, so mehr hab' ich Lust dass wir mal nach Japan fliegen, was wir ja schon lange mal machen wollten und uns unter anderem sowas mal angucken.

00:23:02: Total spannend auf jeden Fall!

00:23:03: Ich habe das gesehen nur, es war nur ein ganz kleines Element in einer Dokumentation, die lief im Arte über den Pazifik, den Indik Die Atlantik, glaub ich auch.

00:23:16: Es war so eine dreiteilige Serie und da waren wirklich ... es war so ne geile Serie!

00:23:22: Das war so toll aufbereitet die Mischung aus Kultur, Natur Und ja eben auch so ökologischen Komponenten.

00:23:30: das war so cool.

00:23:32: Ich hab' das so gerne gesehen.

00:23:34: Da war das ein kleines Element dass mich dann schon so angetießt hat.

00:23:39: Dann habe ich mich damit mehr auseinandergesetzt und ist wirklich sehr bemerkenswert

00:23:43: Sehr schön Wenn ihr es auch bemerkenswert fandet oder ihr schon seit längerem amma seid und sagt, die Rente mit dreiundsechzig sollte auch bei euch gelten.

00:23:55: Schreibt uns gerne Mail an welthasepodcast at gmail.com.

00:23:59: Worüber wir uns aufräumen würden wäre wenn ihr eine Bewertung da lasst aus Spotify Und damit verabschieden wir uns für dieses Episode.

00:24:09: Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und auf Wiederhören

00:24:12: Bis zum nächsten

00:24:13: Mal.

00:24:14: Das war Erklärme die Welthase.

00:24:17: Konzeption und Produktion, Konstanze Marie-Teschner und Lukas Marian Weil Immer Donnerstags überall wo es Podcasts gibt.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.